Jude, Künstler, Zeitzeuge

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In einer Ausstellung zeigt die vhs Aachen Karikaturen des jüdischen Bauhäuslers J. D. Kirszenbaum

Das Leben des Künstlers Jecheskiel David Kirszenbaums war von Gegensätzen geprägt: Zum einen war er ausgezeichneter Maler und Karikaturist mit Ansehen am Bauhaus in Weimar und fand Anerkennung in der Berliner Kunstszene der 20er-Jahre und später auch in Paris. Zutiefst bedrückend dagegen sind die mehrfach erlebten kulturellen Brüche und Neuanfänge auf seinem Lebensweg vom polnischen Staszów über Duisburg, Weimar und Berlin zum Montmartre nach Paris – verfolgt durch die Nationalsozialisten. Seine Ehefrau wurde in Auschwitz ermordet.

Einem besonderen Teil seines erhaltenen Werks widmet sich die Volkshochschule Aachen im Rahmen einer Ausstellung: Vom 28. September bis zum 22. Oktober werden im Forum der Volkshochschule Karikaturen des bedeutenden Zeitzeugens zu sehen sein. Des Weiteren gibt es Fotos, Dokumentationen und weitere Zeitzeugnisse zu begutachten. Online kann man unter kirszenbaum.vhs-weimar.de Foto- und Videomaterial des Künstlers durchstöbern und einen Podcast zur Ausstellung anhören. Bei der Ausstellungseröffnung am Dienstag, 28. September, ab 19 Uhr, gibt Kurator Dr. Bernhard Post eine Einführung in die feinsinnig kuratierte Schau. Kirszenbaums Karikaturen trafen den Zeitgeist der Weimarer Republik: Windige Kaufleute, die skrupellos Gewinne mit dubiosen Geschäften machen, Korruption in der Politik, die Gleichstellung der Frau oder aber auch der erstarkende Antisemitismus – Themen, die in der politischen Auseinandersetzung an Relevanz nicht verloren haben.

Als Karikaturist spottete Kirszenbaum über Künstlerkollegen und Kunstliebhaber. Er hielt menschliche Schwächen ebenso fest wie die Zerstörung der Weimarer Demokratie. Seine Werke spiegeln die facettenreichen Stationen seines Lebenswegs wider: Geboren wurde er 1900 als Sohn als einer Rabbinerfamilie im damals russischen, heute polnischen Staszow. 1920 wurde er Bergmann im Ruhrgebiet. Schon damals malte Kirszenbaum leidenschaftlich, wodurch in Duisburg der Kunsthistoriker August Hoff auf ihn aufmerksam wurde. Daraufhin begann Kirszenbaum 1923 sein Kunststudium am Staatlichen Bauhaus in Weimar. Sein Schaffen trug schnell Früchte, es war sogar eine Anstellung als Bauhausmeister im Gespräch. 1926 zog er jedoch als freischaffender Künstler nach Berlin, wo er Karikaturist für linksliberale Blätter und die Arbeiterpresse wurde.

Mit dem Einzug des Nationalsozialismus änderte sich das Leben schlagartig. Er floh mit seiner Frau nach Paris und wurde zunächst Mitglied der Ècole de Paris. Während des Zweiten Weltkriegs wurden beide jedoch gefasst und interniert. Ein Großteil der Arbeiten Kirszenbaums wurden von den Nazis vernichtet. 1942 konnte er von Frankreich aus schließlich fliehen und sich bis zum Kriegsende verstecken. Seine Frau wurde jedoch 1943 abermals verhaftet, deportiert und ein Jahr später in Auschwitz ermordert. Bis zu seinem Tod 1945 verarbeitete der jüdische Künstler das Trauma und den Verlust in seiner Kunst.

J. D. Kirszenbaum ist ein herausragendes Beispiel eines verfolgten Künstlers, dem eine große Zukunft vorausgesagt wurde, der unter der Naziherrschaft litt und dessen Schaffen letztlich nur dank des Engagements seines Großneffen und engagierter Freundinnen und Freunde sowie verschiedener Einrichtungen wie dem Goethe-Institut Tel Aviv vor dem Vergessen bewahrt werden konnte.

Die Exponate der Ausstellung der Volkshochschule Aachen zeigen all diese Facetten des begnadeten Karikaturisten. Die Ausstellung entstand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „wissen.live“ sowie eines Verbund von Volkshochschulen in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern und Förderern.

Online kann man unter kirszenbaum.vhs-weimar.de Foto- und Videomaterial des Künstlers durchstöbern und einen Podcast zur Ausstellung anhören.

Der Eintritt zur Ausstellungseröffnung in Aachen sowie zur Ausstellung selbst ist entgeltfrei. Der Besuch der Ausstellung ist ohne Anmeldung innerhalb der Öffnungszeiten der vhs Aachen möglich.

Der umfangreiche Ausstellungskatalog liegt vor (12.50 Euro). Bestellung an Herr Dr. Dux: holger.dux@mail.aachen.de

Ausstellungseröffnung:
28. September, 19:00 Uhr
vhs Aachen, Raum 214/Foyer
Peterstraße 21–25, 52062 Aachen
Anmeldung erforderlich

Ausstellung:
Jecheskiel David Kirszenbaum – Karikaturen eines Bauhausschülers zum Zeitgeist der Weimarer Republik
28. September bis 22. Oktober
vhs Aachen, Raum 214/Foyer
Peterstraße 21–25, 52062 Aachen (Nebeneingang aufgrund Modernisierungsarbeiten, rechts vom Haupteingang, ca 30 Meter, gleicher Zugang wie das Parkhaus)



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