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Jeseskiel David Kirszenbaum – Karikaturen eines Bauhausschülers zum Zeitgeist der Weimarer Republik

Ausstellungseröffnung

Der Künstler Jeseskiel David Kirszenbaum wurde 1900 in Staszow (damals Russland, heute Polen) als dritter Sohn einer Rabbinerfamilie geboren. Obwohl er der jüdischen Religion sein Leben lang eng verbunden blieb, stand er ihr auch kritisch gegenüber und schloss sich der sozialistisch-zionistischen Hashomer-Hatzair-Jugend an. Das Leben im jüdischen Schtetl war jedoch immer ein zentrales Thema seines künstlerischen Schaffens. Da nach Ausbruch des Polnisch-Sowjetischen Krieges für ihn die Gefahr bestand, zur polnischen Armee eingezogen zu werden, ging er 1920 als Bergmann ins Ruhrgebiet. In Duisburg wurde der Kunsthistoriker August Hoff (1892-1971) auf den jungen Maler aufmerksam und ermutigt ihn, ein Kunststudium am Staatlichen Bauhaus in Weimar aufzunehmen. 1923 begann er seine Studien in Weimar. Zu seinen Lehrern zählten Feininger, Klee und Kandinsky. Nach dem Umzug nach Dessau war sogar eine Anstellung als Bauhausmeister im Gespräch. Er zog jedoch 1926 als freischaffender Künstler nach Berlin. Neben seinen Arbeiten als Maler verdiente er seinen Lebensunterhalt u.a. als Karikaturist für linksliberale Blätter und die Arbeiterpresse in Berlin und München, u.a. für "Ulk", "Querschnitt", "Roter Pfeffer", "Magazin für alle" und "Jugend " " Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben", zum Teil unter dem Pseudonym "Duwdiwani". 1929 stellte Kirszenbaum auf der "Juryfreien Kunstausstellung" in Berlin aus. Er wurde Mitglied der "Assoziation revolutionärer bildender Künstler" und nahm 1931 an deren Ausstellung teil.
1933 floh Kirszenbaum mit seiner Frau Helma Joachim nach Paris und wurde Mitglied der Ècole de Paris. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden Kirszenbaum und seine Frau interniert und ein Großteil seiner künstlerischen Arbeiten vernichtet. Er kam zunächst in das Lager bei Meslay-du-Maine östlich von Rennes und dann in ein Arbeitslager im Dorf Saint-Sauveur bei Bellac im Département Haute-Vienne. Von dort konnte Kirszenbaum 1942 fliehen und sich bis zum Kriegsende verstecken. Seine Frau Helene war zunächst im Internierungslager Camp de Gurs nördlich der Pyrenäen inhaftiert. Sie wurde dort kurzzeitig entlassen und kehrt nach Paris zurück. 1943 wurde sie abermals verhaftet, über das nahe Paris gelegene Durchgangslager Drancy am 20. Januar 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Kirszenbaum lebt ab 1945 wieder in Paris und wird französischer Staatsbürger. Es gelingt ihm nochmals ein Neuanfang und er verarbeitet bis zu seinem Tod 1954 diese Lebensstationen und den erlittenen Verlust künstlerisch.
J. D. Kirszenbaum ist ein herausragendes Beispiel eines verfolgten Künstlers, dem eine große Zukunft vorausgesagt wurde, der unter der Naziherrschaft litt und dessen Schaffen letztlich nur dank des Engagements seines Großneffen und engagierter Freundinnen und Freunde sowie verschiedener Einrichtungen wie dem Goethe-Institut Tel Aviv vor dem Vergessen bewahrt werden konnte.
Sein Lebensweg ließ Kirszenbaum zu einem Augenzeugen der Republik von Weimar werden. Als Karikaturist spottete er über Künstlerkollegen und Kunstliebhaber, hielt er verzeihbare menschlich Schwächen ebenso fest wie die Zerstörung der Weimarer Demokratie. Viele Dinge, die er damals beobachtete, sind keineswegs abgeschlossene historische Ereignisse und Erscheinungen, sondern seine Karikaturen ermahnen uns vielmehr, aktuelle Entwicklungen kritisch zu sehen.
Die in Israel lebenden Amos und Nathan Diament, Großneffen Kriszenbaums, sind gemeinsam mit dem Goethe-Institut, weiteren Institutionen und Menschen bestrebt, dass künstlerische Erbe dieses bedeutenden Zeitzeugen zu bewahren. Die Volkshochschule zeigt die Ausstellung, die auf Initiative der vhs Weimar entstand. Der Kurator der Ausstellung, Dr. Bernhard Post, wird am Abend der Eröffnung in das Werk Kirszenbaums und in die feinsinnig kuratierte Schau einführen, die neben den Exponaten Zeitzeugnisse, Fotos, Dokumentationen und Erläuterungen umschließt.

Eröffnung/Einführung mit dem Kurator Herrn Dr. Post kann über Zoom-Konferenz besucht werden. Sie erhalten den Link nach der Anmeldung.

Den Podcast sowie Audio- und Videomaterial zur Ausstellung finden Sie auf der Website der vhs Weimar.

Besuch der Ausstellung in Präzenz erfolgt unter Berücksichtigung der 3G-Regel/Ausweis.


Bitte beachten:
Eröffnung/Einführung mit dem Kurator Herrn Dr. Post kann über Zoom-Konferenz besucht werden. Sie erhalten den Link nach der Anmeldung.

Besuch der Ausstellung in Präzenz erfolgt unter Berücksichtigung der 3G-Regel/Ausweis.

Status: Kurs abgeschlossen

Kursnr.: 212-04017

Beginn: Di., 28.09.2021 , 19:00 - 20:30 Uhr

Termin/e: 1

Kursort: VHS, Peterstraße 21-25, Raum 214, 52062 Aachen

Entgelt: Eintritt frei


Datum
28.09.2021
Uhrzeit
19:00 - 20:30 Uhr
Ort
Peterstraße 21-25, VHS, Peterstraße 21-25, Raum 214, 52062 Aachen



Abgelaufen


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Telefon +49 241 4792-111
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